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Erzgebirgsweihnacht – es geht los ;O)

Diesen Text hat vor Jahren eine Praktikantin in der Firma verfasst und ich habe ihn gleich mal so reingestellt. :O) Da ist ansich alles erklärt.

Erzgebirgische Traditionen und Weihnachten – diese beiden sind getrennt voneinander eigentlich gar nicht zu denken. Doch was macht eigentlich das Erzgebirge zu einer so besonderen, vielleicht der deutschen Weihnachtslandschaft?

Da ist zunächst der erzgebirgische Mensch selbst: Für die Bewohner des Erzgebirges ist Weichnachten noch immer “de schennste Zeit im Gahr”. Selbst ältere Menschen gestehen ihre besondereVorfreude auf Weihnachten: “Mir frein uns jeds Gahr wieder nei”. Dabei wird besondere Sorgfalt auf die weihnachtlichen Vorbereitungen gelegt: So steht der Aufbau einer Krippe – natürlich von Ort zu Ort, von Familie zu Familie unterschiedlich gestaltet – noch immer im Zentrum der Vorbereitungen.

Die Durchführung des Weihnachtsfestes spiegelt eine – dem Erzgebirger sicherlich nicht abzusprechende – konservative Grundauffassung wider, bei der das christliche Element des Weihnachtsfestes im Vordergrund steht: Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war es Sitte, die Weihnachtsbescherung nicht am Heiligabend, sondern am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages durchzuführen.

Die Beleuchtung
Auch setzte man in der Adventszeit nur einen einzigen (zumeist roten) Adventsstern ins Fenster – als Symbol für den Stern von Bethlehem. Dies verdeutlicht, wie die Vorweihnachtszeit wirklich noch ein freudiges Warten auf die Geburt Jesu war.

Der Schwibbogen
Die vielfältigen Beleuchtungen in den Fenstern der Adventszeit entwickelten sich erst im Laufe der Sechziger und Siebziger. Ursprünglich zeigte man seine Schwibbogen und die vielen anderen beleuchteten Figuren erst zu Weihnachtsbeginn.

Das Weihnachtsessen
Die besondere Rolle des Weihnachtsessens unterstreicht die Bedeutung dieses Festes für die Bewohner des Erzgebirges. Noch heute gibt es in vielen Familien das Neunerlei (Neinerlaa). Dies bedeutet, daß die Anzahl von neun verschiedenen Speisen zwingend ist.

Eine Version des Neinerlaa mit Gans
Bestandteil sind immer: Gesüßte Milch mit Mandeln (vorher oder nachher), Salz und Brot, Rote Rüben, Selleriesalat und Linsen, die zumeist mit einer Bratwurst gegessen werden. Abends gab es zumindest bei wohlhabenderen Familien noch einen Karnickelbraten mit Klößen und Sauerkraut.

Stollen aus dem Erzgebirge
Der erzgebirgische Stollen wird übrigens in betont christlichen Familien erst nach dem Totensonntag angeschnitten. In früherer Zeit geschah dies zum 1.Advent oder sogar erst zu Weihnachten.

Dem Besucher des Erzgebirges fallen natürlich als erstes die vielen geschnitzten und gedrechselten Figuren und Formen ins Auge: Lichterbogen, Nußknacker und Weichnachtspyramide werden für ihn zum Synonym für das Fest der Freude und zugleich der bunten Welt der Erzgebirgsweihnacht. Und so heimelnd scheint sie uns tatsächlich aus so vielen reich geschmückten Stubenfenstern des Erzgebirges entgegen…

Andererseits mag der moderne Betrachter – an ständige Veränderungen des “Design” gewöhnt – das Festhalten an so überlieferten Figuren wie Bergmann und Engel mitunter etwas typisiert und “altmodisch” finden, sozusagen in seinen Formen “erstarrt”. In Wirklichkeit war die Entstehungsgeschichte dieser Figuren aber äußerst lebendig: Im Erzgebirge ergaben sich die weihnachtlichen Symbole noch häufig aus dem Alltag der Menschen, ihrer Freude, aber auch ihrer Mühsal und Plage.

“Alles kommt vom Bergwerk her.”
Dieser Ausspruch ist schon früh über die Ursprünge erzgebirgischer Volkskunst geprägt worden. Noch heute grüßt man sich mit dem alten Bergmannsgruß “Glück auf”. Darin drückt sich die Hoffnung auf gute Ausbeute an Erz aus, vor allem aber der Wunsch auf glückliche Rückkehr aus dem Schacht.Wenn nun Bergleute in die Grube einfuhren, und die bisherige Schicht ihre Arbeit beendet hatte, traf man sich vor dem Stollen, um ein Bitt- oder Dankgebet zu sprechen.

Dafür nahmen die gerade heraufgestiegenen Männer ihre Karbidlampen ab, die sie um den Hals trugen. Die Lampen hängten sie dann an eigens dafür angebrachte Nägel, die rings um den Stolleneingang angebracht waren. Oft konnten die Angehörigen aus einiger Entfernung nur diesen Halbkreis aufleuchtender Lampen sehen: So erfuhren sie, wenn eine Schicht beendet war. Aus dieser glücklichen Nachricht hat sich dann das Grundmuster für den erzgebirgischen Adventsleuchter, dem Lichter- oder Schwibbogen ergeben.

Sobald der Bergmann in den Berg einfuhr, war er einer Vielzahl von Gefahren mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Besonders In der dunklen Jahreszeit kam erschwerend hinzu, daß die Bergleute frühmorgens bei Dunkelheit in den Berg kamen und abends in finsterer Nacht wieder ausfuhren. Tageslicht muß für sie oft ein seltenes und freudiges Erlebnis gewesen sein:
“Glückauf, du holdes Sonnenlicht,sei innig mir gegrüßt!Der achtet deine Strahlen nicht,der täglich sie genießt.

Volkskünstlerisch wurde diese besondere Gefühlswelt der Bergleute wohl vor allem im Leuchtenbergmann umgesetzt. Die Sehnsucht des Bergmannes nach Licht ist aber weitaus mehr als nur die Bewältigung des physikalischen Mangels an Tageslicht. Hier zeigt sich die starke religiöse Bindung des Erzgebirgers, die ihre Verwurzelung im Bergbau hat: Das Licht bedeute für ihn letztlich – im Trotz gegenüber allen Gefahren – das “Sich-Anvertrauen” an das Licht Jesu.

Daher auch die besonders enge Beziehung des erzgebirgischen Menschen zu Weihnachten.
Die Menschwerdung Gottes bringt Licht in die Welt und vertreibt die Finsternis. Ursprünglich ist wohl jede lichttragende erzgebirgische Figur aus diesem Mangel an Licht und seiner Überwindung durch Christus entstanden. So gilt bergmännische Tradition nicht nur für den Leuchtenbergmann, sondern eigentlich für alle lichttragenden, erzgebirgischen Figuren: Letztlich Bergmänner waren schon immer gelegentliche “Schnitzer”, die nach dem unaufhaltsamen Niedergang des Bergbaus im 17. und 18. Jh. ihr “Hobby” zur hauptsächlichen Erwerbsquellle machten.

© erzgebirge-life.de

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